Ich hatte mich wirlich sehr auf dieses Produkt gefreut, aber die Freude währte recht kurz, denn die Haupteinheit war nach dem Auspacken schlicht und ergreifend nicht zum Leben zu erwecken.
Der Grund: Der Akku war komplett entladen. Für gewöhnlich sind die Geräte zur Schonung des Akkus vorgladen.
Die nächste Hürde erwartete mich beim Laden selbst – mit einem TB4-USB-C Kabel tat sich nichts. Also weitere Kabel durchprobiert – mit einem USB-A auf USB-C Ladekabel kam das Ding dann endlich zum Leben und lud wenigstens.
Ich weiß, dem Gerät liegt ein Kabel bei, aber wer schleppt den bitte zu jedem Gadget die mitgelieferten Kabel mit?! Niemand!
Ich erwarte schlicht und ergreifend (… vor allem bei diesem Preis), dass das Gerät an jedem schnittstellenkonformen Kabel läuft.
Nachdem etwas Strom in den Akku geflossen war, konnte ich den Einrichtungsvorgang endlich vornehmen. Darunter fällt auch die Festlegung der GUI-Sprache. Peinlich für ein Gerät, dessen Kernkompetenz die Übersetzung ist, ist die dürftige deutsche Übersetzung des GUIs (siehe Foto für eine der diversen Stilblüten).
Mein Test der eigentlichen Kern-Kompetenz dieses Geräts war relativ schnell beendet, denn die Übersetzungs-Leistung ist höflich gesagt ziemlich ernüchternd. Der einzig vernünftige Anwendungsfall ist die Dialog-Übersetzung.
Aber auch da nur, wenn wenn die Sätze sehr langsam und überdeutlich gesprochen werden. Normales Dialog-Sprachtempo und bereits leichte Undeutlichkeiten in der Aussprache bringen das Gerät ins Trudeln. Dialoge auf Sprachkurs-Niveau und inhaltlich eher banaler Natur bekommt das Teil hin, komplexe Satzkontruktionen und 'anspruchsvollerer' Sprachgebrauch führen unweigerlich zu allem, aber nicht der richtigen Übersetzung (unabhängig ob On- oder Offline-Modus).
Wer also gedenkt das Teil als Dolmetscher in Konferenzen oder ähnlichem einzusetzen – vergesst es. Die Blamage ist vorprogrammiert.
Von einem Test der ChatGPT-Funktionalität habe ich in Anbetracht der gemachten Erfahrung mit der Übersetzung abgesehen. Das macht nicht wirklich Sinn in Anbetracht der Transferleistung, die das Gerät beim Verstehen des gesprochenen Wortes an den Tag legt.
Anschließend wollte ich die Datenübertraugung auf das Gerät testen, schließlich könnte man das Gerät als Nebennutzen auch als Media-Player nutzen oder Sprachnotizen auf den Rechner übertragen.
Apropos Sprachnotizen: Diese Funktion einmal ausprobiert erklärt sich eventuell auch ein gutes Stück die miserable Übersetzungsleistung. Denn die Qualität des Mikrofons ist mit saumiserabel noch wertschätzend beschrieben. Die Aufnahmen sind schlichtweg unbrauchbar, weil von starkem Rauschen durchzogen und selbst klare Dialoge verkommen in der Sprachnotiz zu unverständlichem Gemurmel.
Woran es lag, dass ich mit unterschiedlichen Dockings und verschiedenen Kabeln – inklusive des Hersteller-Kabels – an einem MacBook Pro keinen Dateizugriff auf dem Gerät erlangen konnte, erschloss sich mir erst, nachdem ich das Gerät mit einem Chromebook verband.
Dort tauchte es sofort als Wechseldatenträger auf und man sieht an der Verzeichnisstruktur auch, dass auf dem kleinen Teil ein stark kastriertes Android rennt. Ursache, dass es am Mac aber nicht fluppt ist der MTP-Modus, mit dem sich die kleine Kiste verbinden möchte.
Für den Zugriff auf dem Mac braucht es also gesonderte Software.
Auf solche wirklich wichtigen Punkte hätte ich mir einen Hinweis in der Bedienungsanleitung gewünscht, aber Fehlanzeige! Stattdessen oberflächliche Erläuterungen der einzelnen Menüpunkte, was einem Menschen, der intellektuell einigermaßen auf der Höhe ist aber eh intuitiv klar ist. Mit der Anleitung kann man getrost den Kamin anfeuern, sie hat 0,0 Mehrwert.
Auch das Zusammenspiel zwischen dem Earbuds und der Box selbst ist eher hakelig und stümperhaft statt reibungslos und optimal aufeinander abgestimmt. Automatisch koppeln? Pustekuchen, darfste jedes Mal von Hand erledigen.
Den Earbuds darf man zugute halten, dass sie an einem anderen Gerät immerhin auf anhieb funktionieren. Aber die Meldungen zum Pairing und Co erfolgen in einer dermaßen abstrus hohen Lautstärke, dass man die Dinger reflexartig erstmal wieder aus den Ohren zieht. Lautstärke-mäßig sind die Teile zu durchaus beachtlichen Pegeln im Stande – warum sie im Zusammenspiel mit der Haupteinheit immer mit einem Pegel starten, der einem die Ohren wegbläst (… und noch in einem Meter Entfernung gut hörbar ist, wenn man die Stöpsel nicht im Ohr hat), ist mir allerdings ein Rätsel. Wie gesagt, das Produkt ist an sehr vielen Stellen nicht durchdacht!
Hat man es geschafft sich die Earbuds so ins Ohr zu friemeln, dass sie vernünftig sitzen kommt da klanglich etwas einigermaßen akzeptables raus, aber in Relation zum Preis beim besten Willen keine Glanzleistung. Tiefbass und Bass werden durchaus ordentlich reproduziert, wenn man den richtigen Sitz im Ohr gefunden hat, der Mittel-Hochtonbereich ist aber ein krasser Schwachpunkt. Die Mitten bis in den unteren Hochtonbereich werden eher kühl und nasal wiedergegeben, der 'echte' Hochtonbereich – also das, was für Brillianz sorgt, die Musik atmen lässt – glänzt hier durch vollkommene Abwesenheit. Die Earbuds verfügen übrigens über Mikrofone, deren Qualität miserabel ist, was für ein Produkt, wo es auf gute Sprachverständlichkeit ankommt für die Erkennung, ein ziemlicher Fail des Herstellers ist.
Warum die Earbuds darüber hinaus bei einem Preispunkt von knapp 280 Euro noch nicht mal eine Multipoint-Verbindung mit mehreren Geräten (so zum Beispiel Basiseinheit und Smartphone) beherrschen (… was nur logisch wäre) und der Hersteller stattdessen empfiehlt die Basiseinheit während der Kopplung der Earbuds mit einem anderen Gerät auszuschalten ist unbegreiflich und ziemlich peinlich!
Auch hier merkt man, dass das Produkt eher fix zusammengeklöppelt und nicht wirklich durchdacht ist.
Alles in Allem eine erschreckend schlechte Leistung. Für das Geld darf man mehr erwarten – deutlich mehr!
Der Einsatz als Media Player führt sich durch den 16 GB kleinen Speicher, von denen gerade mal noch 8 GB nutzbar sind, in der heutigen Zeit von Lossless Audio von selbst ad absurdum. Zur Erinnerung: 8 GB waren in MP3-Playern vor 20 Jahren Standard. Auch hier wieder eine Design-Schwäche: warum sieht der Hersteller weder TF-Card-Slot, noch mindestens 128 GB internen Speicher vor?
Selbst im vollständig ausgeschalteten Zustand verbraucht das Gerät noch sehr viel Akku – gut 50% in einer Woche! Ob das normal ist oder mein Gerät defekt ist, kann ich nicht beurteilen respektive nachvollziehen, da mir als Vine-Tester ein Austausch nicht zusteht. Klingt komisch, ist aber so.
Der aufmerksame Leser wird nach diesen Zeilen nun schlussfolgern: Hm, klingt nicht nach einem empfehlenswerten Produkt…. Genau so ist es, von meiner Seite keine Empfehlung. Hätte ich das Gerät gekauft, ich würde es umgehend retournieren. Vermutliche wäre ich aufgebracht genug, dass die Kraft reichen würde es direkt bis nach Shenzhen zu werfen.
Obwohl ich das Produkt als Vine-Tester kostenfrei zu Verfügung gestellt bekommen habe, bin ich mir nicht wirklich sicher, ob ich es behalte, denn eine Sammelstelle für halbgare und nicht wirklich nutzbare Produkte bin ich nicht.
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